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Die Schule an der Linth und das HPZ setzen auf Prävention

Die Schule an der Linth in Ziegelbrücke (SadL) und das Heilpädagogische Zentrum in Oberurnen (HPZ) arbeiten seit längerem nach dem Bündner Standard und haben nun als erste Institutionen im Kanton Glarus das Label «Wir arbeiten nach Bündner Standard» erworben. Damit setzen die beiden Schulen, welche von den Glarner Gemeinnützigen (GG) geführt werden, ein deutliches Zeichen für einen konsequenten und professionellen Umgang mit Gewalt und Grenzverletzungen.

Wo viele Menschen aufeinandertreffen, entstehen auch Konflikte. Auch in Schulen gehören Auseinandersetzungen, Spannungen und unterschiedliche Bedürfnisse zum Alltag. Umso wichtiger ist es, dass Kinder, Jugendliche und Mitarbeitende wissen, wo Grenzen liegen, wie bei Grenzverletzungen reagiert wird und an wen man sich wenden kann. Hier setzt der Bündner Standard an.

Er ist ein umfassender Qualitäts- und Präventionsrahmen für soziale Organisationen. Im Zentrum stehen nicht einzelne Präventionslektionen oder kurzfristige Projekte, sondern eine gemeinsame Haltung, klare Verantwortlichkeiten und verbindliche Abläufe. Ziel ist es, Grenzverletzungen möglichst früh zu erkennen, ihnen vorzubeugen und bei Vorfällen professionell zu handeln. Gleichzeitig soll eine Kultur des Hinschauens, Ansprechens und gemeinsamen Handelns gefördert werden.

Gewaltprävention, die im Alltag ansetzt
Der Ansatz geht dabei bewusst weiter als die reine Reaktion auf einen Vorfall. Der Bündner Standard umfasst zehn miteinander verbundene Kernelemente. Dazu gehören unter anderem ein gemeinsam erarbeiteter Verhaltenskodex, klare Melde- und Nachsorgeprozesse, eine strukturierte Einschätzung von Vorfällen sowie interne und externe Anlaufstellen.

Damit erhalten Mitarbeitende konkrete Orientierung: wo beginnt eine Grenzverletzung und wie ist bei einem Vorfall vorzugehen? Ein standardisiertes Vorgehen soll verhindern, dass solche Situationen allein aufgrund persönlicher Einschätzungen oder nach dem Bauchgefühl beurteilt werden. Stattdessen schaffen gemeinsame Kriterien und festgelegte Prozesse Handlungssicherheit.

Der Bündner Standard wurde vor allem für Kinder- und Jugendinstitutionen entwickelt. Inzwischen wird er auch an Regelschulen und Institutionen für Erwachsene angewandt. Der Bündner Standard richtet sich nicht nur gegen körperliche Gewalt, sondern nimmt Grenzverletzungen in einem umfassenderen Sinn in den Blick.

Ein Zeichen für eine gemeinsame Haltung
Mit dem Erwerb des Labels «Wir arbeiten nach Bündner Standard» machen die beiden Glarner Sonderschulen sichtbar, dass der Umgang mit Grenzverletzungen nicht der Einschätzung von einzelnen Mitarbeitenden überlassen werden soll. Das Zertifikat steht für die verbindliche Umsetzung der zehn Kernelemente und eine im Alltag gelebte Präventionskultur.

Für die Vergabe werden nicht nur Dokumente geprüft, sondern auch Strukturen, Prozesse und deren Umsetzung in der Praxis.

Für die Schulen bedeutet dies deshalb mehr als ein Zertifikat an der Wand. Der Standard soll dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrpersonen und weitere Mitarbeitende einen sicheren und respektvollen Schulalltag erleben. Entscheidend ist dabei eine gemeinsame Haltung: hinschauen statt wegsehen, ansprechen statt verschweigen und handeln statt Unsicherheit entstehen zu lassen.

Dass die SadL und das HPZ als erste Institutionen im Kanton Glarus das Label «Wir arbeiten nach Bündner Standard» erworben haben, ist damit auch ein Signal über die eigene Schule hinaus. Es zeigt, dass Gewaltprävention als Teil der Schulentwicklung verstanden werden kann – langfristig, verbindlich und mit klaren Strukturen.

Das Label ist dabei nicht als Endpunkt zu verstehen. Prävention bleibt eine fortlaufende Aufgabe. Der Bündner Standard sieht deshalb auch eine regelmässige Überprüfung vor; das Label ist grundsätzlich für fünf Jahre gültig und kann nach einer erneuten Überprüfung verlängert werden.

Mit der Einführung des Bündner Standards übernehmen die beiden Schulen der Glarner Gemeinnützigen Verantwortung für ein respektvolles Miteinander – und setzen einen besonderen Akzent bei der Gewaltprävention.

www.buendner-standard.ch